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Ratgeber · Ingenieurbüro Bruggebauer

Wärmepumpe und PV – lohnt sich die Kombination im Saarland?

Wer eine Wärmepumpe betreibt, hat einen nennenswerten Strombedarf. Wer gleichzeitig eine Photovoltaikanlage besitzt, kann einen Teil davon selbst erzeugen – und damit die Betriebskosten der Wärmepumpe erheblich senken. Ob und wie sich die Kombination lohnt, erklärt dieser Ratgeber für Eigentümer in Saarbrücken und dem Saarland.

✍ Sebastian Rheinemann, M.Eng – Energieberater Saarbrücken 🕒 Lesedauer ca. 10 Minuten 📅 Aktualisiert 2026
Abschnitt 1

Warum Wärmepumpe und PV zusammenpassen

Die Wärmepumpe ist das effizienteste elektrische Heizsystem – aber sie läuft mit Strom. Und Strom aus dem Netz kostet Geld. Wer gleichzeitig eine Photovoltaikanlage betreibt, kann einen erheblichen Teil dieses Stroms selbst erzeugen und damit die laufenden Betriebskosten der Wärmepumpe deutlich senken.

Die Kombination ist mehr als die Summe ihrer Teile: PV-Strom kostet in der Eigennutzung deutlich weniger als Netzstrom. Wärmepumpen lassen sich gezielt dann betreiben, wenn die Sonne scheint – durch intelligente Steuerung wird der Eigenverbrauch maximiert. Und wer einen Pufferspeicher nutzt, kann die tagsüber erzeugte Wärme für den Abend und die Nacht speichern.

Warum das Saarland besonders gut geeignet ist

Mit durchschnittlich über 1.600 Sonnenstunden pro Jahr gehört das Saarland zu den sonnigeren Regionen Deutschlands. Eine PV-Anlage auf einem Saarbrücker Dach erzeugt im Jahresdurchschnitt je Kilowatt Peak (kWp) rund 950–1.050 kWh – eine solide Grundlage für die Wärmepumpenversorgung.


Abschnitt 2

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe?

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe hängt von drei Faktoren ab: der Heizlast des Gebäudes, der Jahresarbeitszahl (JAZ) der Anlage und dem Warmwasserbedarf der Bewohner. Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme pro Kilowattstunde Strom erzeugt werden.

Gut gedämmtes EFH (Neubau / sanierter Altbau) Heizwärmebedarf ca. 8.000–12.000 kWh/Jahr. Bei JAZ 4,0: Strombedarf Wärmepumpe ca. 2.000–3.000 kWh/Jahr.
Teilsanierter Altbau (typisch Saarland) Heizwärmebedarf ca. 15.000–22.000 kWh/Jahr. Bei JAZ 3,2: Strombedarf Wärmepumpe ca. 4.700–6.900 kWh/Jahr.
Ungedämmter Altbau Heizwärmebedarf ab 25.000 kWh/Jahr. Bei JAZ 2,5–3,0: Strombedarf Wärmepumpe über 8.000 kWh/Jahr – PV alleine kaum ausreichend.
Warmwasserbereitung (4 Personen) Ca. 2.000–3.000 kWh/Jahr zusätzlich – gut durch PV-Strom zu decken, da Warmwasser tagsüber bereitet werden kann.
JAZ ist nicht gleich JAZ

Die Jahresarbeitszahl hängt stark von der Vorlauftemperatur ab. Eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung (35 °C Vorlauf) erreicht JAZ 4,5 und mehr. Dieselbe Anlage mit alten Heizkörpern und 55 °C Vorlauf kommt vielleicht nur auf JAZ 2,8. Deshalb: erst Heizsystem optimieren, dann Wärmepumpe und PV planen.


Abschnitt 3

Eigenverbrauch erhöhen – so funktioniert es

Das Problem bei der Kombination von PV und Wärmepumpe liegt im Timing: Die PV-Anlage produziert Strom tagsüber, wenn die Sonne scheint. Die Wärmepumpe heizt aber vor allem morgens und abends – und im Winter, wenn die Sonne wenig scheint. Ohne intelligente Steuerung liegt der direkte Eigenverbrauchsanteil des PV-Stroms für die Wärmepumpe oft nur bei 20–30 %.

Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich dieser Anteil auf 50–70 % steigern:

Smart-Grid-fähige Wärmepumpe nutzen

Moderne Wärmepumpen verfügen über eine SG-Ready-Schnittstelle. Sie können gezielt dann hochgefahren werden, wenn PV-Überschuss vorhanden ist – ohne Komfortverlust, weil der Pufferspeicher die Energie zwischenspeichert.

Pufferspeicher dimensionieren

Ein ausreichend großer Heizungspufferspeicher (200–500 Liter je nach Gebäudegröße) ermöglicht es, tagsüber Wärme auf Vorrat zu erzeugen und abends abzurufen. Das verschiebt den Strombedarf der Wärmepumpe in die Sonnenstunden.

Brauchwarmwasser solar erzeugen

Warmwasser lässt sich hervorragend tagsüber mit PV-Überschuss bereiten. Eine separate Brauchwasser-Wärmepumpe oder ein elektrischer Heizstab im Warmwasserspeicher wird vom Energiemanagementsystem gesteuert und nutzt PV-Strom sehr effizient.

Energiemanagementsystem einsetzen

Ein Heimenergiesystem (HEMS) koordiniert Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und weitere Verbraucher automatisch. Es sorgt dafür, dass immer dann geheizt oder Warmwasser bereitet wird, wenn günstiger Solarstrom verfügbar ist.


Abschnitt 4

Lohnt sich ein Batteriespeicher dazu?

Ein Batteriespeicher ergänzt die Kombination aus PV und Wärmepumpe sinnvoll – aber er ist kein Muss. Die Entscheidung hängt vom Verhältnis der Investitionskosten zur zusätzlichen Eigenverbrauchssteigerung ab.

Ohne Batteriespeicher lässt sich mit einer gut gesteuerten Wärmepumpe und einem Pufferspeicher bereits ein Eigenverbrauchsanteil von 40–60 % erreichen. Ein Batteriespeicher von 8–12 kWh erhöht diesen Anteil auf 65–80 % – je nach Gebäude und Anlagengröße.

PV + Wärmepumpe ohne Speicher Eigenverbrauch 35–55 % mit SG-Ready und Pufferspeicher. Günstiger Einstieg, geringste Investition.
PV + Wärmepumpe + Batteriespeicher Eigenverbrauch 65–80 %. Höhere Investition, aber niedrigere Betriebskosten und mehr Unabhängigkeit vom Netz.
PV + WP + Speicher + HEMS Maximale Eigenverbrauchsoptimierung. Alle Verbraucher werden automatisch koordiniert. Amortisation ca. 10–14 Jahre je nach Anlagengröße.
Wärmespeicher oft effizienter als Batteriespeicher

Ein Kilowattstunde Strom lässt sich günstiger als Wärme im Pufferspeicher speichern als als Elektrizität in einer Batterie. Wer die Wärmepumpe intelligent steuert und einen ausreichend großen Pufferspeicher hat, braucht nicht zwingend eine Batterie – und erzielt trotzdem hohe Eigenverbrauchsanteile.


Abschnitt 5

Rechenbeispiele: Was spart die Kombination?

Die folgenden Beispiele beziehen sich auf ein typisches Einfamilienhaus im Saarland mit 150 m² Wohnfläche, vier Personen und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Strompreis: 0,32 €/kWh, Einspeisevergütung: 0,08 €/kWh, PV-Eigenverbrauchsstrom: ca. 0,08 €/kWh Erzeugungskosten.

Szenario A

Wärmepumpe ohne PV

Strombedarf WP: 4.500 kWh/Jahr · Vollständig aus dem Netz bezogen

1.440 €
Stromkosten WP pro Jahr (bei 0,32 €/kWh)
Szenario B

Wärmepumpe + PV (10 kWp)

PV-Ertrag: 9.500 kWh/Jahr · Eigenverbrauchsanteil WP: 50 %

ca. 580 €
Stromkosten WP pro Jahr – Ersparnis ca. 860 €/Jahr
Szenario C

WP + PV + Batteriespeicher (10 kWh)

Eigenverbrauchsanteil WP: 70 % · Restbezug aus Netz minimal

ca. 360 €
Stromkosten WP pro Jahr – Ersparnis ca. 1.080 €/Jahr
Gesamtbild

PV-Überschuss für weitere Verbraucher

Haushaltstrom, E-Auto, Klimaanlage – PV-Überschuss senkt auch dort den Netzstrombezug

+ 600–900 €
zusätzliche Einsparung p.a. durch Eigenverbrauch anderer Verbraucher
Rechenbeispiele sind Richtwerte

Die tatsächlichen Einsparungen hängen von Gebäude, Anlagenauslegung, Nutzungsverhalten und Energiepreisen ab. Für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnung für Ihr Gebäude ist eine Vor-Ort-Beratung notwendig.


Abschnitt 6

Die wichtigsten Systemkomponenten im Überblick

Ein gut geplantes PV-Wärmepumpen-System besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Je vollständiger das System, desto höher der Eigenverbrauchsanteil – und desto geringer die Betriebskosten.

☀️
Photovoltaikanlage Empfehlenswert: 8–14 kWp für ein EFH mit Wärmepumpe. Ausrichtung Süd bis Südwest optimal – aber auch Ost-West-Belegung sinnvoll.
Pflicht
🔥
SG-Ready-Wärmepumpe Alle modernen Wärmepumpen unterstützen SG-Ready – ermöglicht externe Steuerung durch PV-Anlage oder HEMS.
Pflicht
🛢️
Heizungspufferspeicher 200–500 Liter je nach Gebäudegröße. Ermöglicht Wärmespeicherung in Sonnenstunden für spätere Abgabe.
Sehr empfehlenswert
💧
Brauchwarmwasserspeicher mit Heizstab Warmwasserbereitung mit PV-Überschuss tagsüber. Günstiger als Batteriespeicher für denselben Zweck.
Sehr empfehlenswert
🔋
Batteriespeicher 8–12 kWh für ein EFH mit WP. Erhöht Eigenverbrauchsanteil auf 65–80 %. Amortisation ca. 10–14 Jahre.
Optional
🖥️
Heimenergiesystem (HEMS) Koordiniert alle Verbraucher automatisch. Maximiert Eigenverbrauch ohne manuellen Eingriff. Oft in modernen Wechselrichtern integriert.
Empfehlenswert

Abschnitt 7

Förderung für PV und Wärmepumpe 2026

Beide Systeme werden staatlich gefördert – allerdings über unterschiedliche Programme und mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Eine sorgfältige Reihenfolge bei der Antragstellung ist wichtig, um keine Förderung zu verlieren.

Wärmepumpe (KfW 458) Bis zu 70 % der förderfähigen Kosten (max. 30.000 € EFH). Antrag zwingend vor Einbau bei der KfW stellen. Energieberater als EEE erforderlich. Details im Ratgeber Wärmepumpenförderung.
Photovoltaikanlage Keine direkte Investitionsförderung für PV im Bestand, aber gesetzlich garantierte Einspeisevergütung (EEG) für 20 Jahre sowie Steuerbefreiung für Anlagen bis 30 kWp (§3 Nr. 72 EStG).
Batteriespeicher Auf Bundesebene aktuell keine direkte Investitionsförderung für Batteriespeicher im Bestand. KfW-Kredite (z. B. Programm 270) für erneuerbare Energien nutzbar. Einzelne Bundesländer bieten ergänzende Programme an.
Energieberatung Bis zu 50 % der Beratungskosten mit iSFP über BAFA förderbar. Eine integrierte Planung von WP, PV und Speicher durch einen Energieberater ist die Grundlage für maximale Förderausschöpfung.
Reihenfolge bei der Antragstellung beachten

Wer Wärmepumpe und PV gleichzeitig plant, muss den KfW-458-Antrag für die Wärmepumpe unbedingt vor Beginn der Arbeiten stellen. Die PV-Anlage kann unabhängig davon geplant und installiert werden. Die Kombination aus Dachsanierung und Installation einer PV-Anlage kann doppelte Kosten einsparen. Eine Beratung verhindert Fehler bei der Antragstellung und sichert die maximale Förderquote.


Abschnitt 8

Häufige Fragen zu Wärmepumpe und PV im Saarland

Wie groß sollte die PV-Anlage für eine Wärmepumpe sein?
Als Faustregel gilt: Die PV-Anlagengröße in kWp sollte etwa dem jährlichen Gesamtstrombedarf des Haushalts inklusive Wärmepumpe in Tausend kWh entsprechen. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit Wärmepumpe (Haushalt ca. 4.000 kWh + WP ca. 4.500 kWh = 8.500 kWh) wäre eine Anlage von 8–10 kWp sinnvoll. Im Saarland erzeugt 1 kWp ca. 950–1.050 kWh pro Jahr.
Kann ich meine bestehende PV-Anlage mit einer neuen Wärmepumpe kombinieren?
Ja, das ist einer der häufigsten Fälle. Entscheidend ist, ob die bestehende PV-Anlage eine SG-Ready-Schnittstelle unterstützt oder ein Energiemanagementsystem nachgerüstet werden kann. Auch ältere Anlagen lassen sich oft nachrüsten. Wir prüfen das in der Beratung.
Lohnt sich die Kombination auch im Winter, wenn wenig Sonne scheint?
Im Winter ist der PV-Ertrag gering – aber die Kombination lohnt sich trotzdem übers Jahr. Im Sommer erzeugt die PV-Anlage deutlich mehr Strom als benötigt, was die Betriebskosten der Wärmepumpe in der Heizperiode durch Einspeisevergütung und Jahresrechnung quersubventioniert.
Brauche ich für Wärmepumpe und PV denselben Installateur?
Nein – Wärmepumpe und PV können von verschiedenen Fachbetrieben installiert werden. Wichtig ist, dass beide Systeme aufeinander abgestimmt sind: SG-Ready-Schnittstelle der Wärmepumpe muss mit dem Energiemanagementsystem kompatibel sein. Eine koordinierte Planung vorab vermeidet spätere Schnittstellenprobleme.
Wie hoch ist der Eigenverbrauchsanteil realistischerweise?
Ohne Batteriespeicher, aber mit SG-Ready und Pufferspeicher: 40–55 %. Mit Batteriespeicher: 65–80 %. Die genauen Werte hängen von Anlagengröße, Haushaltsverbrauch, Wärmepumpengröße und Nutzungsverhalten ab. Eine Simulation auf Basis Ihrer Gebäudedaten liefert belastbare Zahlen.
Kann ich mit PV und Wärmepumpe autark werden?
Vollständige Netzunabhängigkeit ist mit einem Einfamilienhaus in Deutschland technisch möglich, aber wirtschaftlich kaum sinnvoll. Netzangebundene Systeme mit hohem Eigenverbrauch sind die wirtschaftlich sinnvollere Lösung – sie ermöglichen Einspeisung bei Überschuss und Netzbezug bei Bedarf, ohne überdimensionierte Speicherkosten.

PV und Wärmepumpe gemeinsam planen

Die Kombination lohnt sich – aber nur mit aufeinander abgestimmter Planung. Ich berate Sie vor Ort im Saarland und sorge dafür, dass beide Systeme optimal zusammenspielen und Sie alle Förderungen mitnehmen.